Heft 2003: Bäumchen, wechsle Dich

Veröffentlicht von Saskia am

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Wie sich die Zeiten ändern: Bisher wurde das Wahrzeichen unserer Kerb – der geschmückte Kerwebaum – zu Beginn des Festes von den Kerweborsche laut singend durch die Stadt gezogen und schließlich vor großem Publikum mit vereinten Kräften an seinem angestammten Platz aufgestellt. In diesem Jahr ist das anders. Wenn 2003 der Baum zum 25. mal auf der Mainzer Straße gestellt wird, dann können die Zuschauer einem Hubwagen zusehen, der den Baum stellen soll. Denn ab diesem Jahr kann der Kerwebaum nicht mehr mit der Hand gestellt werden – weil auf seinem alten Platz nun eine neue Markise steht.

Was bisher geschah:

Nachdem noch vor wenigen Jahren Diskussionen geführt wurden – der TSV wollte nach der Renovierung des Vereinsheims den Baum nicht mehr am Gebäude stehen haben – hat die Stadt Raunheim einen Vertrag mit dem Verein geschlossen. Als Gegenleistung für den damals gewährten zinslosen Kredit gab der TSV unter anderem die vertragliche Zusicherung ab, für die nächsten 10 Jahre dafür zu sorgen, dass der Baum an seinem bisherigen Platz gestellt werden kann. Wir hatten diese Vereinbarung nicht vergessen und staunten daher nicht schlecht, als vor kurzem die neue Markise vor dem Vereinsheim installiert wurde. „Wo soll der Baum dann stehen?“ hieß es sogar in den Zeitungen. „Wie konnte das passieren?“ war eine andere Frage, die uns beschäftigte. Nachdem der Pächter des Landgasthofes den Bauantrag für den neuen Schattenspender gestellt hatte, wurde das Bauamt vor der Entscheidung über den bestehen Vertrag zwischen TSV und Stadt informiert. Das Bauamt hat also gewusst, dass die Markise den Baum verdrängen wird und hat den Antrag trotzdem genehmigt.

Plötzlich waren also Fakten geschaffen: Die Markise steht, für den Baum ist kein Platz mehr. Jetzt wäre es an der Stadt gewesen, Vertragserfüllung einzufordern. Der Verein hatte vertraglich den Stellplatz garantiert und kann sich jetzt nicht mehr an diese Vereinbarung halten– müsste er dann nicht auch für einen alternativen Stellplatz sorgen? Stattdessen werden nun Verhandlungen geführt. Es werden die tollsten Ideen ins Spiel gebracht: Ins Weindorf soll der Baum. Oder noch besser: Vorne an der Sparkasse, dann sieht ihn gar keiner mehr. Immerhin konnte man es noch rechtzeitig vor der Kerb möglich machen, dass überhaupt ein Baum gestellt werden kann – aber nicht auf TSV-Gelände. An seinem neuen Platz steht der Baum nun frei, was weitere Kosten verursacht: Es muss eine Hülse angeschafft werden, diese muss in ein ein Meter tiefes Fundament eingegossen werden, das Loch dafür muss ausgehoben werden, das Überlandwerk muss befragt werden und auch hier muss das Bauamt zustimmen. Und schließlich kann der Baum nur noch mit einem Hubwagen gestellt werden. Das alles kostet Geld. Geld, das eigentlich vom TSV kommen müsste. Oder vom Pächter, der ja die neue Markise haben wollte. Doch man ziert sich. Damit 2003 überhaupt ein Baum gestellt werden kann, wird vorläufig die Stadt die Installation der Hülse zahlen – an wem im Endeffekt die Kosten hängen bleiben werden, steht in den Sternen.

Für uns bleibt nur wieder eines festzuhalten: Gerade denen, die an der Kerb gutes Geld verdienen, ist Brauchtumspflege offensichtlich egal. Verein und Pächter haben in Kauf genommen, dass der Baum gar nicht mehr gestellt werden kann und das Bauamt hat wider besseres Wissen für die Markise statt für den Baum gestimmt. Das Ordnungsamt kann nun die Suppe auslöffeln, weil keiner auf der Stadt das Rückgrat hat, vertragliche Verpflichtungen einzufordern.

Aber ein bisschen Tradition will man dann doch: Immerhin kann jetzt doch noch der Baum gestellt werden. Aber das eigentlich Schöne daran, das Aufstellen des Baumes, das wird es in der alten Form nicht mehr geben. Die Kerweborsch haben jetzt nicht mehr die Möglichkeit, sich beim Baumstellen zu beweisen und sich so dem Publikum vorzustellen. Der erste Programmpunkt einer Kerb wird so einfach gestrichen. Denn wer will schon einem Hubwagen nach getaner Arbeit applaudieren?

PS.: Und wenn man auf diese Weise den Kerweborsch ein Stück ihrer Traditionen nimmt, verwundert es nicht, wenn die Kerweborsch auch eine Tradition beenden: In diesem Jahr wird es keine Baumwache mehr geben, Gestohlenes wird nicht ausgelöst.

Trotzdem:

Wir wünschen allen Besuchern eine schöne Kerb

Euer Kerweteam

&

Kerweborsch und Mädels

Kategorien: AllgemeinKerb

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