Was macht das Kerweteam?

Nach der Kerb ist vor der Kerb

- oder: Was macht ein Kerweteamler eigentlich an den anderen 361 Tagen im Jahr?

 

Die Raunemer Kerb dauert vier Tage. Na gut, für Kerweborsch und Kerweteam inklusive Auf- und Abbau eine gute Woche. Aber was kommt danach? 51 Wochen Pause?

Nach dem Zeltabbau und der Kerb-Beerdigung ist das Wichtigste für alle: Ausschlafen. An Mittwoch nach der Kerb sind wir alle nicht erreichbar.

Aber schon einen Tag später geht es wieder los. Dann wird unser „Vereinsheim“ in der Bahnhofstraße (auch liebevoll „der Laden“ genannt) aufgeräumt. Alles was nach dem Zeltabbau einfach irgendwo hin gestellt wurde, wird gewaschen, gescheuert und geschrubbt, desinfiziert und wieder in die richtigen Kisten und Regale geräumt.  Und damit ist es nicht getan: Die Nachbereitungen der Kerb ziehen sich über Wochen hin. Nach und nach gehen dann zum Beispiel die ganzen Rechnungen ein, die zu begleichen sind. Unsere Kassen-Verantwortliche ist in diesen Tagen Dauergast am Überweisungsschalter der Bank. In den meisten Fällen sind wir sehr zufrieden mit den Leistungen der vielen Firmen, mit denen wir während der Kerb zusammen arbeiten, aber auch hier gibt es manchmal Differenzen, und so müssen auch mal weniger angenehme Beschwerde-Telefonate geführt werden. Aber es gibt auch angenehme Seiten: Für Helfer, die sich während der Kerb und auch davor besonders hervor getan haben, werden Geschenke besorgt und persönlich überreicht.

Und dann geht es an die „interne Nachbereitung“ der Kerb – die Manöverkritik. An einem Freitag zwei bis drei Wochen nach der Kerb treffen wir uns, um mit ein bisschen Abstand und ausgeschlafen über diese vier Tage zu sprechen, auf die wir das ganze Jahr hin arbeiten. Jeder kann hier anbringen, was gut geklappt hat und was verbessert werden könnte. Um persönliche Reibereien zu vermeiden – wir sind schließlich auch nur Menschen – gibt es seit einiger Zeit an diesem Tag sogar eine „Kritik“ an jedem einzelnen, denn nur so können wir uns auch als Gemeinschaft weiter entwickeln.  

Kaum ist die Kerb einigermaßen abgeschlossen, geht es an die Planung der nächsten Veranstaltung: Das Oktoberfest Pro Raunheim, wo wir mit einem Cocktailstand vertreten sind. Das Fest an sich dauert nur einen Tag, aber auch hier gibt es Vorbesprechungen mit den Veranstaltern und Besprechungen innerhalb des Teams (Was wollen wir anbieten? Zu welchen Preisen? Wie viele Leute werden für den Betrieb des Standes gebraucht? Wer arbeitet in welcher Schicht? Wann bauen wir auf? Wann ab?). Für die Cocktails muss eingekauft werden, es werden Preisschilder geschrieben und es muss wieder alles aus den Regalen gezogen werden, was man für so einen Cocktailstand braucht. Und nach dem Abbau geht es wieder ans Waschen, Schrubben, Desinfizieren und Einräumen. Für so einen Tag Oktoberfest sind drei Tage Team-Einsatz und von einzelnen noch einige Stunden mehr erforderlich.

Und damit wir nicht aus der Übung kommen, gehen wir dann sofort über in die Vorbereitung des nächsten Highlights: Das Helfertreffen im November, mit dem wir uns in jedem Jahr bei unseren Helfern für deren unermüdlichen Einsatz bedanken wollen. Dieser Abend soll immer etwas ganz Besonderes sein. Und das erfordert natürlich neben der außergewöhnlichen Chance, uns alle einmal in „feiner Robe“ sehen zu können einen ganz besonderen Aufwand. Zu den vorbereitenden Planungen, Einladungen schreiben, eintüten uns verteilen, diversen Einkaufstouren und Auf- und Abbau kommt hier für alle noch ein Tag in der Küche dazu. Denn alles, was das reichhaltige Buffet hergibt, wird von den einzelnen Kerweteamlern selbst zubereitet. Was natürlich nach dem Abbau und dem Aufräumen der Perla umso mehr Waschen, Schrubben, Scheuern und Desinfizieren bedeutet. Und so sieht die Bilanz für diesen einen Helfer-Abend genauso aus wie für das Oktoberfest: Drei Tage Einsatz für alle plus einige Stunden von einzelnen.

Aber das reicht noch nicht! Im Dezember erwartet uns der Weihnachtsmarkt. Hier kommt zu dem Aufwand, den wir für alle unsere Veranstaltungen betreiben, noch das Plätzchen backen und der Aufbau unserer Sektbar. Bei Minus-Temperaturen das gute Stück aus Riffelblech und Stahlrahmen aufzubauen sorgt für sehr kalte Finger und ist immer wieder eine harte Prüfung. Doch die Stimmung an unserem Stand während des Glühwein-Verkaufs macht diesen Umstand mehr als wett!  Inklusive des täglichen Aufräumens und Vorbereitens im Stand, der täglichen Kassenabrechnung und Wechselgeld-Vorbereitung und des Spüldienstes während der Verkaufszeiten (in Stand selbst darf während des Weihnachtsmarktes nicht gespült werden) bedeutet der Weihnachtsmarkt für uns fünf Tage Arbeit plus X.

Dann ist aber erst mal Pause. Während der Feiertage und über den Jahreswechsel gibt es keine Arbeitseinsätze und auch keine Sitzungen. Das Kerweteam hat dann Ferien – was uns aber nicht davon abhält, eine großartige Weihnachtsfeier zu begehen (in 2003 zum ersten Mal mit „Schrott-Wichteln“ – ein voller Erfolg!) und uns zwischendurch immer wieder auch in kleineren Runden zu Spieleabenden zu treffen, Bowlen zu gehen oder den Laden mit Fotos unserer „Heldentaten“ zu dekorieren.

Der Beginn des nächsten Jahres ist mehr vom Erledigen vieler Kleinigkeiten geprägt. Beherrschendes Thema ist jetzt schon die Planung der nächsten Kerb. Zum Beispiel die Besetzung des Abendprogramms: Welche Bands wollen wir in diesem Jahr an welchem Tag im Zelt spielen lassen? Welche aus dem letzten Jahr sollen wieder kommen, welche besser nicht? Gibt es Alternativen? Wie können wir Kontakt aufnehmen? Ist der Termin bei diesen Bands noch frei? Und können wir uns überhaupt die Gagen leisten?

Zu den Vertragsverhandlungen mit den Bands kommen bereits die Bestellungen für die Kerb. In den ersten Monaten des Jahres werden zum Beispiel schon das Zelt, die Spülmaschine, die Musikanlage, die Brezelmaschine und die Getränke bestellt.

Nur eine Veranstaltung fordert in dieser Zeit unseren Einsatz: Die Seniorenfastnacht. Für den Seniorenverein übernehmen wir die Bewirtung der Sitzung, organisieren die Getränke und bedienen die Gäste. Was allerdings mit den Vorbereitungen und Bestellungen wieder zwei Tage Arbeit bedeutet.

Nebenbei gibt es immer mal wieder Arbeitseinsätze, bei denen unter anderem der Laden und unser Abteil auf dem Bauhof aufgeräumt wird, alles wieder geordnet wird, was im Laufe der Zeit in Unordnung gebracht wurde, und repariert wird, was kaputt gegangen ist. Und natürlich wird auch immer wieder etwas neues geschaffen! Unsere größte Errungenschaft in diesem Jahr: Der Einbau einer „neuen“ Küche in den Laden.

Ein großer Arbeitsposten ist mit Sicherheit auch das Ausgeben und wieder Einsammeln von an Kerweteamler oder andere verliehenen Gegenständen aus unserem Bestand. Und hier ist „Rolf-Rüdiger“ - unser Bus und damit Nachfolger von „Chantal“ - oft genug das Sorgenkind, denn auch er muss ab und an saubergemacht und gepflegt werden und er muss vielleicht manchmal etwas zu häufig in die Werkstatt. Aber dafür leistet er bei allen Einsätzen, bei jedem Umzug und Groß-Transport unschätzbare Dienste.

Zeitraubend ist auch die Pflege unserer Internet-Seite (www.kerweteam.de).

Jedes dort veröffentlichte Foto wird einzeln nachbearbeitet und die relevanten Informationen und Presse-Artikel regelmäßig aktualisiert. Inzwischen fungiert die Homepage auch als Informationsmedium für uns selbst, denn hier wird unser Terminplan ständig aktuell gehalten. Und mit den Erinnerungsmails, die jeder vor jedem Termin erhält, wird dafür gesorgt, das keiner mehr einen Termin verschwitzen kann.

Und jedes Treffen, sei es die Manöverkritik, eine reguläre Sitzung oder ein anderes Treffen im Laden, macht Dreck – und anschließend muss hier wieder aufgeräumt, gespült, die Toilette geputzt und der Müll entsorgt werden. Und das ist bei ca. 20 Sitzungen im Jahr plus diverser Arbeitseinsätze eine regelmäßig anfallende Arbeit. Damit das nicht allein an einer Person hängen bleibt, wurde inzwischen ein Putzdienst eingerichtet, der alle zwei Wochen wechselt und der auch für den Nachschub im Kühlschrank zuständig ist.

Gegen Sommer kommen dann wieder mehr Einsätze in der Öffentlichkeit: Wir stellen der SSV-Zeltwoche einige Gerätschaften zur Verfügung und übernehmen an einem Abend die Bewirtung des Zeltes – das ist schließlich das, was wir am besten können. Und an diesem Abend kann man im Kerweteam dann schon wieder das bekannte Kribbeln spüren – es sind keine 100 Tage mehr bis zur Kerb!

Natürlich dürfen wir uns das Hobby-Kicker-Fußball-Turnier des SSV nicht entgehen lassen. Leider konnten wir in diesem Jahr nicht ganz an die Erfolge aus den Vorjahren anknüpfen – aber das lag bestimmt am Wetter!!

Der nächste Einsatz bringt auch etwas fürs Auge: Auch bei der Feier zum 25jährigen Bestehen der TSV-Diamonds helfen wir hinter der Theke – mit bestem Blick auf die Darbietungen auf der Bühne!

Im Juli gönnen wir uns dann noch eine letzte „Ruhe vor dem Sturm“ und fahren gemeinsam mit den Kerweborsch für fünf Tage zum Zelten in den Hunsrück. Häufiger Regen und Kälte können uns übrigens nicht von diversen Wasserschlachten, einer 50-Meter-Schmierseifenrutsche und dem traditionellen Bobby-Car-Rennen abhalten!

Doch das soll auch die letzte Veranstaltung vor der Kerb sein, denn dann geht es mit Riesenschritten wieder los: Bei einem Arbeitseinsatz wird die Sektbar zum Teil noch mal aufgebaut, repariert und teilweise neu gestrichen, sämtliche Schläuche werden wieder desinfiziert und die Schilder, die später am Ortseingang auf die Kerb aufmerksam machen sollen, werden mit einem aktuellen Datum versehen.

Jetzt gehen auch die Einladungen für das Helfer-Treffen raus und mit diesem Treffen, an dem die Helfer in die Listen eintragen können, wann und wo sie helfen wollen, geht der Organisations-Marathon los. Bei Familie Kranz, wo alle Fäden zusammen laufen, steht dann das Telefon nicht mehr still: Es melden sich immer wieder Helfer, die nicht zum Treffen kommen konnten, oder neue Helfer, die sich nach ihren Einsatz-Möglichkeiten erkundigen möchten. Permanent werden aktualisierte Listen im Internet veröffentlicht. Bands rufen an und wollen letzte Einzelheiten der Technik abstimmen. Die letzten Bestellungen werden aufgegeben. Die Verpflegung von Kerweteam und Kerweborsch während der Kerb wird durchgeplant und Helfer angesprochen, die sich um die Zubereitung kümmern können. Der Kerwefahrplan wird erstellt und durchgegangen. Es finden gemeinsame Sitzungen mit den Kerweborsch statt. Auf einer Sitzung mit Vertretern der Vereine und der Stadt wird die Planung des Abends der Vereine abgestimmt. Es werden überall in Raunheim Plakate angebracht und es wird in einer großen Einkaufs-Tour alles besorgt, was noch fehlt. Dann gibt es noch einen letzten Einsatz auf dem Bauhof und im Laden, bei dem alles für die Kerb Erforderliche zusammengestellt und transportbereit verpackt wird. Und schließlich wird das Protokoll der Manöverkritik nochmals komplett durchgegangen, um festzustellen, welche der geforderten Änderungen wir in den letzten 51 Wochen bereits umgesetzt haben, und worauf wir in der wichtigsten Woche – der Kerb - noch achten müssen.

Alles in Allem bedeutet ein Kerweteam-Mitglied zu sein jede Menge Einsatz, körperliche Arbeit und Begeisterungsfähigkeit. An manchen Tagen hat sicher jeder von uns das Team schon verflucht und sich gefragt „warum mache ich das eigentlich?“ Warum sollte man seine Freizeit opfern, um anderen Leuten Bier zu bringen? Warum extra dafür Urlaub nehmen, eine Woche lang kaum zu schlafen und fast bis zum Umfallen zu arbeiten? Warum auch den Rest vom Jahr immer wieder Einsatz zeigen? Und das alles ohne einen Cent Bezahlung??

Derzeit sind wir 24 Kerweteamler – und für uns alle ist die Antwort die gleiche: Weil es Spaß macht! Weil es einfach schön ist, gemeinsam mit den anderen etwas zum Laufen zu bringen, eine so große Veranstaltung zu tragen. Und am besten fühlt es sich Kerwesamstags an, wenn das Zelt brechend voll ist, jeder einzelne Gast zufrieden aussieht und aus vollem Hals mitsingt. Dann können wir uns nassgeschwitzt mit schmerzenden Füssen und schon völlig übermüdet ansehen und uns sagen „Das haben WIR möglich gemacht!“